Wir leben schon in einer verrückten Zeit in der einem als Hundehalter von allen Seiten erzählt wird, dass man seinen Hund ausreichend beschäftigen muss und man möglichst viel an Aktivität machen soll… Dog Dancing, Agility, Degility, Dog Frisbee und noch unendlich viele mehr… Das Angebot ist riesig und die Nachfrage ist offensichtlich groß genug.
Als Suki erst ganz kurz bei mir war habe ich auch eine Degility Einheit mit ihr gemacht, das untere Foto ist dabei entstanden. Es gab ihr und mir nur wenig, künstliche Hindernisse zu überqueren und so war sie nur mit der Leberwurst der Trainerin über die Hindernisse zu bewegen. Sie hing an der Tube wie ein Baby an der Nuckelflasche. Es war ziemlich genau dieser Zeitpunkt an dem das Foto aufgenommen wurde als ich mich fragte was ich da eigentlich tue… warum ich das eigentlich tue… weil die Leute sagen man muss was machen mit seinem Hund…
Das war das erste und letzte Mal das ich etwas mit Suki machte, weil es sich so gehört in unserer Gesellschaft.
Wenn man sich ein natürliches Hunderudel ansieht fällt auf das diese Hunde energiesparwunder sind, sie liegen fast den ganzen Tag herum, selbst jagen gehen sie nur, wenn die Mistkübel der Menschen nichts hergegeben haben. Am Abend suchen sie sich einen sicheren Schlafplatz und mützen weiter.
Die Mensch -Hund Beziehung die dieser Lebensweise am nächsten kommt sind Menschen die mit ihren Hunden auf der Straße leben. Oft sieht man sie während einer Städtereise. Jeden der sich schon mal gefragt hat wieso genau diese Hunde trotz des vielen Lärms, der Welle an Gerüchen und den Massen an Menschen und Hunden die entspanntesten Fellnasen überhaupt sind kann ich sagen: weil sie am natürlichsten mit ihren Menschen leben. Sie sind 24 Stunden am Tag zusammen, gehen gemeinsam auf „Nahrungssuche“ und am Abend gemeinsam schlafen. Keiner dieser Menschen macht Agility, Dog Dancing oder besucht eine Hundeschule, viele dieser Hunde kennen nicht einmal die Grundkommandos und doch sind genau diese Hunde unfassbar gechillt, und unproblematisch, ganz ohne viel Auslastung.
Da ich das Glück habe nicht auf der Straße leben zu müssen ist es bei uns ein bisschen anders, wir gehen 2x täglich für 1-2 Stunden spazieren, je nachdem wie viel Zeit ich habe, dabei versuche ich so gut wie möglich im Moment zu sein, im Kontakt mit meinen Hunden zu sein, wenn sie wo schnüffeln bleibe auch ich stehen, und wenn wir wo einen schönen Platz gefunden haben halten wir uns dort auch mal eine halbe Stunde oder länger auf und meine zwei erkunden das Gelände selbstständig, in ihrem Tempo nach ihren individuellen Interessen. Ich sehe ihnen dabei freudig zu und greife nur ein, wenn sich einer von ihnen nach Hasen umschauen möchte, ansonsten dürfen sich meine Hunde in dieser Zeit selbst bespaßen. Nach so einem Spaziergang sind wir vielleicht nur 600 Meter weit gekommen und doch sind sie danach streichfähig. Schnüffeln, buddeln, Stöcke aus dem Wasser tauchen und was ihnen sonnst noch so einfällt macht eben müde. Hunde schlafen zwischen 17-20 Stunden am Tag von Natur aus, es sei denn man beschleunigt und pusht sie, das hat dann allerdings nichts mehr mit dem zu tun was der Hund braucht.
Wenn du einen Hundesport wegen und für deinen Hund betreibst kannst du ihn auch lassen, wenn du ihn betreibst, weil er dir Freude bereitet macht es (in der Regel) auch deinem Hund spaß und dann spricht auch nichts dagegen.

Wie immer, hör auf DEIN Gefühl…