Immer wieder erstaunt es mich wie schnell die meisten Hunde uns Menschen vertrauen. Als ich Suki damals für einen Probetag abholte hüpfte sie, ohne lange zu überlegen in den Kofferraum eines für sie fast wildfremden Menschen. Sie kannte mich nur von drei Spaziergängen und doch hatte ich vom ersten Moment an das Gefühl, das sie mir vertraute. Von Anfang an durfte ich mit Suki alles machen, Ohren putzen, Zecken entfernen, ein Sandkorn aus ihrem Auge „operieren“, Wunden versorgen, ihr einen Kuss auf die Stirn geben während sie eine Kaustange verzehrte usw. Und trotzdem gab es einige Situationen, bei denen sie mir zeigte, dass ihr Vertrauen in mich doch nicht so unerschütterlich war wie ich oft dachte. Sie fürchtete sich vor dem Staubsauger, Markisen, Sonnen und Regenschirmen, vor seltsamen Figuren z.B. einer Rieseneiswaffel vor einem Eissalon, vor Kleidungsstücken die auf einem Ständer hingen, vor Fahnen und Luftballons, ganz schlimm war es, wenn der Wind die Dinge dann auch noch bewegte. Bei lauten Kindern wurde sie panisch, und wenn ein Heißluftballon am Himmel auftauchte war sowieso alles vorbei. Wie so vieles, dass ich niemals für möglich gehalten hatte hing auch das mit unserem gemeinsamen Weg zusammen. Desto mehr ich in meine Natürlichkeit zurückfand umso mehr vertraute sie mir bis sie sich mir schließlich anvertraute. Das war der feine Unterschied, auf den es ankam. Suki hatte mich zurück zu mir selbst und meinen eigenen Ressourcen geführt und gemerkt das sie sich auf mich, in meiner Mitte ruhend, blind verlassen kann. Heute ist sie ein wahrhaft tiefenentspannter Hund, der Staubsauger ist ihr egal, selbst wenn er wenige cm neben ihr umherschwirrt, in der Stadt wie am Land ist sie meine treue gechillte Begleiterin. Einmal im Jahr heißt es für unser Rudel auf nach Sardinien was so viel bedeutet wie Fähre mit Hund. Auf der Fähre ist es eng, laut und hektisch also alles was Suki nicht mag. Es sind viele herumlaufende Kinder und viele andere Hunde auf engem Raum, doch Suki lässt sich von all dem nicht aus der Ruhe bringen, weil sie mir ihr Leben anvertraut reicht ein Blick in meine Augen und alles ist wieder ok für sie.
Das ist nichts was man erzwingen oder trainieren kann, es ist nichts was man in einer Hundeschule lernen kann und es ist nichts was man mit einer Methode oder Technik erreichen kann. Dieses unglaublich starke Band entsteht, nur dann, wenn der Hund sich voll und ganz seinem Menschen anvertraut. Das tut er meistens nur wenn er von seinem Zweibeiner verstanden, gesehen und wertgeschätzt wird für das was er seiner Natur entsprechend ist. Das ist es was ich meine, wenn ich von Vertrauen rede…
Es gibt sicher einige Menschen, denen Du vertraust, aber wie vielen davon hast Du dich anvertraut? Wie vielen würdest Du blind dein Leben in die Hand legen? Was brauchst Du von einem Menschen damit Du dieses tiefste Vertrauen in ihn haben kannst? Das er dich sieht wie Du bist? Dich liebt einfach weil Du bist wer Du bist? Das er Entscheidungen trifft, die sich auch für dich gut anfühlen? Das er Rücksicht auf dich nimmt und auf dich eingeht? Dich aber auch an der Hand nimmt und dich durch Situationen leitet, die dich überfordern? Würdest Du einem Menschen dein Leben anvertrauen der sich von dir manipulieren lässt oder dich mit einem Stück Torte bestechen will? Oder mittels Kommandos blinden Gehorsam von dir fordert? Der von dir möchte das du Dinge für ihn tust die unnatürlich und sinnbefreit für dich sind? Für Hunde ist das nichts anderes als für uns Menschen… Wenn du versuchst die Welt und euer zusammenleben mal mit den Augen deines Hundes zu sehen wird dir vieles klarer werden. Ich wünsche dir viel Freude dabei, und falls Du Unterstützung möchtest, weißt Du ja wo ich zu finden bin.