9 Wochen ist es nun her, dass Lenny zu unserem Rudel gehört. In diesen 9 Wochen hat er uns unfassbar vieles gelernt und uns unglaublich weitergebracht. Wenn ich an unseren ersten Tag zurück denke muss ich schon schmunzeln, einen Hund zu übernehmen den man nicht mal die Pfoten abwischen konnte ohne, dass er versuchte einen zu schnappen ist schon ein bisschen verrückt gewesen. Meine Freundin und ich ließen uns auf dieses Abendteuer ein, weil wir wussten, dass es für Lenny die wohl letzte Hoffnung auf ein entspanntes und glückliches Leben sein würde. Niemand wollte ihn haben weder ein Tierheim noch Gnadenhof war bereit ihn zu nehmen. Wir zwei Verrückten dachten uns „so schlimm wird’s schon nicht werden. Wir bringen ihn wieder auf Schiene und dann suchen wir ihm ein neues Zuhause.“ Nach 3 Wochen war dann auch uns klar das er bei uns bleiben würde und zwar für immer. Zum einen, weil seine Muster doch gravierender waren als gehofft und zum anderen hatten wir ihn schon viel zu gerne, um ihn herzugeben. Auch Suki hatte sich sofort in ihn verliebt und so hatte das Schicksal entschieden. Lenny sollte unser zweiter großer Lehrmeister werden. In den ersten Wochen war viel los bei uns, fast täglicher Besuch, um Lenny zu zeigen das es nicht seine Angelegenheit ist wer hier bei uns ein und ausgeht. Täglich hagelte es friedvolle Grenzen, damit er überhaupt zu bändigen war. Er versuchte uns auf Schritt und Tritt nachzulaufen, jedes Mal schickten wir ihn retour in sein neues Körbchen (seine Matratze mussten wir ihm nehmen da er sie so strak verteidigte, der Geruch hielt ihn in der Vergangenheit gefangen). Eine unglaubliche Geduld wurde von uns gefordert, immer und immer wieder hinterfragte er unsere gesetzten Grenzen. Herdenschutzhund – Tornjakmix… „hartnäckig, stur und zäh“ steht in der „Rassebeschreibung“ das konnten wir nur bestätigen zum Glück hatte Suki uns schon einiges an Herdenschutzhundverhalten gezeigt, doch Lenny war nochmal eine ganz andere Nummer. Die Intensität mit der er sein Futter verteidigte verlangte einiges an Fingerspitzengefühl von uns. 3 Wochen tüftelten wir bis wir einen Weg fanden, wie es Lenny annehmen konnte sein Futter nicht zu verteidigen. Ein weiteres großes Thema, Sozialkontakt, streicheln, bürsten, Pfoten trocknen, Zecken entfernen, ihm einen Kratzer auf der Nase behandeln… All das war anfangs schwierig und sowieso nur möglich, wenn er wollte. Doch Zecken gehören nun mal raus und eine Wunde muss man nun mal versorgen (auch wenn der Kratzer eher eine Übung war als eine Wunde). Entschlossen, ruhig, friedvoll und völlig klar machten wir uns auf den Weg zu ihm und taten was zu tun war, von seiner Abwehr (brummen, fletschen) ließen wir uns nicht beeindrucken, auch wenn unser Puls immer verrücktspielte, wir blieben dran. Nach den ersten malen sah er das ihm nichts passiert, wenn wir was von ihm wollen, er fasste Vertrauen und unterließ seine Abwehrversuche von da an. Heute können wir ihm problemlos Zecken an heiklen Stellen entfernen, ohne ihn noch zu halten.
Die nächste Baustelle war das spazieren gehen. In den ersten 2 Wochen war es nicht möglich mit beiden Hunden zu gehen. Lenny orientierte sich so stark an Suki das ein wachsamer Blick von ihr in eine Richtung reichte, um Lenny in Hysterie zu versetzen. Er bellte dann in alle Himmelsrichtungen, ohne überhaupt zu wissen weshalb. Ich machte Stadtspaziergänge mit ihm, um ihm zu zeigen das er sich auf MICH verlassen kann und MIR vertrauen kann also sich an MIR orientieren kann. Von Tag zu Tag orientierte er sich mehr an mir, suchte bald von selbst Blickkontakt und fing an zu Fragen (mit dem Blick) bevor er anfing hysterisch zu bellen. Langsam, aber sicher bekamen wir das Gefühl, das er ankommt, seine Vergangenheit loslässt und sich wohlfühlt bei uns. 2 Wochen dauerte es bis er unsere Informationen annahm (z.B. das, es in Ordnung ist, wenn sich im Haus etwas bewegt und er nicht in ein panisches Bellen verfallen braucht nur weil wer die Kellertreppe runtergeht). 3 Wochen dauerte es bis wir ihn für kurze Spielereien mit Suki von der Leine ließen. 4 Wochen dauerte es bis er sein neues Körbchen in unserem Schlafzimmer in Anspruch nahm und es vorzog beim Rudel zu schlafen. 7 Wochen dauerte es bis wir einen entspannten gemeinsamen Spazierganz zu viert erleben durften und nun nach 9 Wochen kann er seine ersten Spaziergänge mit Führung und ohne Leine genießen. Ich will euch nichts vormachen, es gibt gute und weniger gute Tage, wir sind noch lange nicht am Ziel und es warten noch einige Herausforderungen auf uns, doch wie heißt es so schön:
„Der Weg ist das Ziel.“ Danke das du bei uns bist Lenny, und uns jeden neuen Tag ein bisschen mehr von deinem waren Wesen zeigst. Wir haben dich sehr lieb.