Die klassische Konditionierung wurde von Iwan Pawlow ins Leben gerufen. Seinen Versuchshunden bereitete das sicher wenig Freude, chirurgisch wurde ihnen ein Speichelauffangbehälter am Kopf implantiert, dann ließ man ein Glöckchen klingeln, hielt ihnen leckeres Futter vor die Nase und ließ den Behälter aufsammeln was ihnen dabei an Wasser aus dem Maul herauslief. Nach einigen Abläufen reichte schon das Klingeln des Glöckchens um den Speichelfluss auszulösen.

Ich persönlich habe keine Freude daran meine Hunde zu konditionieren und/oder mit ihnen künstliches Verhalten einzustudieren. Ich sehe keine Notwendigkeit eine derart wesensverändernde Methode anzuwenden um erwünschtes Veralten zu kreieren.

Es geht auch anders…
Hunde lernen ganz von selbst, durch beobachten, und in der Kommunikation mit dem Menschen. Wenn ich meinen Hund darauf konditioniere vor jeder Kreuzung stehen zu bleiben und Sitz zu machen, ergibt das zum einen keinen Sinn, weder für mich noch für meinen Hund und zum anderen lernt er die Gefahr (ein fahrendes Auto) worum es ja eigentlich geht, nicht einzuschätzen.

Wenn ich zu einer Kreuzung gehe halte ich meine Hunde bei oder hinter mir, ich schaue ob ein Auto kommt, wenn eines kommt bleibe ich stehen und informiere meine Hunde darüber „Hunde, es kommt ein Auto, wir warten.“ Lenny steht sowieso sobald ich stehe, Suki geht noch zwei Schritte und bleibt stehen sobald sie informiert wurde und das Auto erkannt hat. Sie ist ein halbautonomes Wesen und möchte die Dinge gerne auch selbst einschätzen und beurteilen, was ich ihr in einem ungefährlichen Rahmen ermögliche.

Voraussetzung für dieses natürliche Lernen ist allerdings das mich mein Hund seiner Natur entsprechend als einen „guten Führer durch die menschliche Welt“ wahrnimmt und akzeptiert. Dies wiederum ist nichts was ich über Konditionierung, Bestechung oder andere künstliche Methoden erreiche, es ist etwas das vom Hund aus selbst geschieht, wenn ich meine Qualitäten unter Beweis gestellt habe indem ich –

• gute Entscheidungen für unsere Gruppe treffe
• Rücksicht nehme, ich z.B. warte wenn mein Hund schnüffelt
• auf sinnbefreite Prinzipien verzichte
• friedvoll und souverän Grenzen setze
• ihn nicht konditioniere und besteche
• aufmerksam bin und wahrnehme was gerade passiert

Damit erweise ich mich als souveräner und verlässlicher Partner. Es ist für den Hund also mehr als vernünftig sich mir – in dieser künstlichen, von Menschen geschaffenen Welt – anzuvertrauen. Hinzu kommt das Hunde und Menschen schon seit unzähligen Jahrtausenden zusammenleben, der Hund ist wie kein anderes Wesen auf dieser Welt geprägt auf uns und hat keinen Grund von uns weg zu wollen oder nicht auf uns zu hören, wenn wir uns als vertrauenswürdiges Leitwesen erwiesen haben. Zugegeben, das ist ein Weg, es ist nichts was von heute auf morgen ganz einfach funktioniert – doch langfristig ergibt sich daraus eine wundervolle Bindung und um genau diese geht es ja, wenn man sich für ein Leben mit Hund entschieden hat.