Zuallererst: ich bin nicht grundsätzlich gegen eine Kastration ich sage allerdings ganz klar, dass man es sich wirklich gut ansehen muss ob eine Kastration überhaupt etwas bringt, und zu welchem Zeitpunkt sie durchgeführt wird. Darüber hinaus sollte man mit einer Kastration unbedingt abwarten bis der Hund körperlich UND geistig fertig entwickelt ist.

Lenny wird im Dezember drei Jahre alt und hat gerade seinen letzten Hormonschub vor dem Erwachsenwerden. Zusätzlich dazu ist eine Nachbarshündin läufig was zur Folge hat das Lenny „etwas“ abdreht. Er jammert den ganzen Tag, ist beim Spaziergang nurmehr ferngesteuert, gestresst und geistig abwesend. Das war für mich Anlass mich mit dem Thema Kastration noch mehr zu beschäftigen. Sissy war so freundlich mir ein Buch zu empfehlen das ich jedem ans Herz lege der seinen Hund kastrieren lassen möchte oder darüber nachdenkt. Man sollte wirklich wissen worauf man sich einlässt und nicht blind Tierärzten, anderen Hundehaltern oder Trainern vertrauen die einem dazu raten. Schließlich handelt es sich um eine schwerwiegende Entscheidung mit der Hund, und Halter dann auch klar kommen müssen. Die Verantwortung abzugeben und im Nachhinein zu sagen „ich bin davon ausgegangen, dass (z.B.) der Tierarzt weiß was er tut“ macht die Kastration nicht ungeschehen und die Verantwortung für „Kastrationsschäden“ trägt nicht der Tierarzt, sondern immer, man selbst.
Ich greife hier nur einige wenige aber dafür sehr gravierende Aspekte auf um dir einen kurzen Einblick in das Thema zu geben.
• Wenn der Hund bevor sein Körper und seine Psyche fertig entwickelt sind (was durchschnittlich 1,5 bis 2 Jahre dauert – Herdenschutzhunde brauchen bis zu 4 Jahren bis alles so ist wie es die Natur für einen erwachsenen Hund vorgesehen hat) kastriert wird, stoppt damit seine Entwicklung. Körperlich wie auch geistig. Die Wachstumsfuge ist dann nicht verschlossen, die Gelenke sind nicht vollständig ausgebildet, die Sehnen und Muskeln sind nicht fertig. Spätfolgen sind Erkrankungen des gesamten Bewegungsapparates.
• Im Gehirn werden während der Pubertät die Verbindungen umgebaut, vom emotionalen in das rationale Denken. Das kennen wir auch von uns Menschen, wie haben wir mit 16 auf Situationen reagiert und wie reagieren wir mit 25 oder 30 auf dieselbe Situation. Wenn ich diesen Vorgang nun mit einer Kastration stoppe sind die Folgen nicht selten Verhaltensauffälligkeiten aller Art.
• Während der Pubertät schwanken die Hormone von einem in das andere Extrem (wie wir das auch vom Menschen kennen) der Hund kann dann genau in dem Extrem stecken bleiben in dem er kastriert wird.
• Zudem stehen die meisten Verhaltensweisen (z.B. Jagdverhalten oder Markierverhalten) die als Grund für eine Kastration angegeben werden nicht mit dem Testosteron in Verbindung, daher nützt eine Kastration hier nichts oder aber es wird alles noch schlimmer. Das Buch ist voll von Studien die das einwandfrei Belegen. lt. Tierschutzgesetz ist es verboten einen Hund ohne medizinischen Grund zu kastrieren. Das sich die meisten Tierärzte an dieses Gesetz nicht halten, und die Halter ihrer Patienten über diese und noch mehr Punkte nicht oder unzureichend informieren finde ich sehr bedenklich. Es ist ein Umstand der mir beinah tagtäglich begegnet, weshalb ich mich nun selbst dazu entschlossen habe eine Kastrationsaufklärung/ Beratung anzubieten. Wer verhindern will das sich sein Hund fortpflanzt der kann eine Sterilisation (abklemmen der Eileiter) bei der Hündin oder eine Vasektomie (abklemmen der Samenleiter) beim Rüden machen lassen. Das macht allerdings in meiner „Nähe“ nur die Tierklinik Sattledt. Ich habe in den letzten Wochen sämtliche Tierärzte angerufen die mir alle sagten, dass sie so etwas nicht machen „weil es nicht üblich ist“.
Wenn man sich trotz eigener Recherche, und eigener Meinungsbildung zu einer Kastration entschließt sollte man zumindest warten bis der Hund fertig entwickelt ist.

Wer mehr wissen möchte, Sissy hat sich die unglaubliche Arbeit gemacht vieles was im Buch steht (und noch mehr) genau zu beleuchten, der Beitrag geht zwar speziell auf Herdenschutzhunde ein, die hormonellen Abläufe im Hundekörper sind allerdings großteils Rasse unabhängig:
https://www.facebook.com/search/top/…

Wer es noch genauer Wissen möchte hier ist der Link zum Buch:
https://www.amazon.de/Kastration-Verhalten-bei…/…/3275018205