Oft hört man es das dieser oder jener Hund dominant sei, und man dagegen etwas tun müsse, nämlich dominanter sein.
Dass was ich in meiner Ausbildung beobachten durfte, gelernt habe und jeden Tag aufs Neue lerne wiederspricht dieser These. Meiner Erfahrung nach, gibt es so etwas wie Dominanz bei Hunden nicht.
Doch wie definiert man Dominanz eigentlich? Das musste ich auch erst googeln 🙂
Unter Dominanz versteht man den Versuch ein anderes Individuum zu beherrschen und/oder zu kontrollieren.
Ich habe schon einiges an kuriosen Hundeverhalten beobachten dürfen aber noch nie hatte ich das Gefühl, dass ein Hund einen anderen Hund oder Menschen beherrschen oder kontrollieren möchte. Ich denke daher, Dominanz ist eine eher menschliche Eigenheit.

Was Hunde schon zeigen sind Zeichen von Überforderung und/oder mangelnder Akzeptanz ihrer Menschen oder Hundekollegen. Dies ist aber nichts Angeborenes, sondern resultiert daraus das sie nie gelernt haben Grenzen anzunehmen. Meist handelt ein solcher Hund über seine natürliche Kompetenz hinaus. Er übernimmt die Führung und trifft z.B. Entscheidungen in Situationen, die ihn überfordern. In diesen Situationen reagiert er dann völlig übertrieben, genau diese Überreaktion könnte man als Dominanz interpretieren.
Hier ein Beispiel von Lenny:
Er ist ein Hund, der nie gelernt hat, Grenzen anzunehmen. Deshalb hat er die Idee das alles ihm gehört. Er hat sich also selbst zum König seiner Welt ernannt und von seinem selbsterbauten Thron schaltet und waltet er nun. Daraus ergeben sich viele interessante Verhaltensweisen (verteidigt sein Futter, hat Probleme souveräne Rüden zu akzeptieren, stellt auf Durchzug wenn er etwas nicht tun möchte z.B. herkommen, er manipuliert unentwegt, stiehlt Schlapfen und Handschuhe, verweigert den Sozialkontakt wenn er gerade keine Lust hat, scharrt wie ein Wilder nach dem Markieren, usw.)
All diese Verhaltensweisen sind zwar auffällig und überaus trickreich, haben aber nichts damit zu tun das er mich beherrschen oder kontrollieren möchte. Vielmehr möchte er weiterhin der König bleiben und tun was, wann und wie er will.
Wenn ich diesem Hund nun mit Dominanz begegnen würde, würde ich entweder sein Wesen brechen, oder ich würde alles verschlimmern. Ein Hund der einen starken Willen hat, lässt sich nicht brechen, er würde immer eine Schippe über mein Level gehen bis er wirklich gefährlich werden würde. Daher ist es meine Aufgabe Lenny seine Krone friedvoll und geduldig zu entwenden, und ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen.
Das geht nicht von heute auf morgen, doch nur so kann ich mit ihm eine echte Verbindung eingehen, und so versteht auch er sehr schnell das ich ihm damit eigentlich etwas Gutes tue. Schließlich beinhaltet sein Thron viel Verantwortung, die ihn stresst und überfordert.
Da wir in einer von Menschen gestalteten Welt leben ist es wichtig das er mir vertraut und sich von mir führen lässt. Dazu darf er akzeptieren, dass ich, sein Mensch, sein Leithund bin. Leithund wird man in einem natürlichen Hunderudel allerdings nicht durch dominantes Verhalten oder Unterdrückung anderer, sondern dadurch das man friedvoll und souverän Grenzen setzt und Entscheidungen für die Gruppe trifft die sich für alle gut anfühlen.

Der, der wahre innere Stärke besitzt braucht keine Dominanz.