Auch meine Zwei Rabauken sind (Lenny mehr Suki weniger) jagdlich interessiert. Während Suki unsere Regel (wir gehen nicht jagen) schon längst akzeptiert hat und nur noch sehr selten einer Spur nachschnüffelt schießt sich Lenny regelmäßig in andere Dimensionen in denen er gedanklich schon beim Hasen ist und nurmehr physisch anwesend bleibt.

Wie aber schaffe ich es, dass er trotz des Gedankenkarussells bei mir bleibt, auch ohne Leine?
Kontakt, und auch ein bisschen Übung.

Zuerst einmal, wie immer, die Natur der Hunde: im Hunderudel geht es nicht, wenn sich ein Mitglied der Gruppe selbst zur Jagd freigibt, da dies die Gruppe schwächt und auch für denjenigen der abhaut einiges an Gefahr mit sich bringt. Soweit auch unsere oberste Regel „keiner gibt sich selbstständig frei“ weder bei Hundebegegnungen (schließlich möchte ich nicht, dass meine Hunde zu fremden Hunden laufen die an der Leine sind) noch beim Spaziergang durch den Wald. Auch nicht, wenn ein Hase vor ihrer Nase wegspringt. Zugegeben das ist die Königsdisziplin und hierbei muss ich den Hasen zumindest wahrnehmen bevor meine Hunde im Sprint sind.
Diese Herangehensweise setzt voraus, dass ich im hier und jetzt bin, und merke, wenn Lenny eine Spur aufnimmt, dann bekommt er von mir eine klare Haltung an die er sein Verhalten anpassen kann.
Ich sage dann „Lenny wir bleiben am Weg.“

Somit kommen wir schon zum zweiten Punkt.
Lenny hält sich nun nur an diesen einfachen Satz, weil er schon tausendfach (er ist eben ein Sturschädel) die Erfahrung gemacht hat das ich die Grenzen die ich setzte ernst meine, und ich mich nicht manipulieren, provozieren, und veräppeln lasse. Dabei braucht es kein Geschrei und schon gar keine Gewalt, nur die innere Stärke zählt hier.
Aber zugegeben, mir entfährt auch manchmal ein zu lautes forsches “Hey”! Ich bin mir nur im Klaren darüber das er dann nicht wegen dem Ton stehen bleibt sondern weil die Situation gerade an einem Punkt ist wo meine innere Haltung völlig klar, stark und präsent ist. Das spürt jeder Hund und daran orientieren sie sich auch, vorausgesetzt sie sind noch ansprechbar.

Und damit kommen wir schon zum dritten Punkt.
Wenn mein Hund einmal im Jagdmodus ist hat es meist keinen Zweck mehr irgendetwas zu tun. Die wenigsten Hunde sind in diesem Zustand noch ansprechbar. Wenn er wieder zurück kommt spaziere ich allerdings nicht munter weiter, ich prügle aber auch nicht auf ihn ein wie das vielfach immer noch gemacht wird, sondern ich mache das, was im Hunderudel gemacht werden würde. Ein Entscheidungsträger würde sich den Ausreißer „zur Brust nehmen“ und ihm friedvoll und klar sagen, dass es so nicht geht. Ich nehme also Lenny bei seinen Bäckchen, bestimmt aber sanft, schaue ihm in die Augen und sage ihm sowas wie „Mein Freund, du gibst dich nicht selbstständig frei, wir sind ein Rudel und du verlässt unsere Gruppe nicht, schon gar nicht um die Wildtiere aufzuscheuchen.“
Ich bleibe hier solange präsent bis ich das Gefühl habe, dass er innerlich nachgegeben hat. Meist schüttelt er sich dann und unser Spaziergang geht weiter. Beim nächsten Versuch von ihm ins Gebüsch abzubiegen reicht schon ein ernster Blick um ihn wieder zur Umkehr zu bewegen.
Bei Suki wiederrum reicht es mittlerweile ihr zu sagen, dass es die Wildtiere bei uns schon schwer genug haben, und das letzte was sie brauchen ein hinter ihnen herjagender Hund ist. Ihr Blick sagt dann „nagut, dann halt ich mich halt dran, aber nur weil ICH will“ 😅

Ich hoffe ich habe dir mit diesem Beitrag ein bisschen Wissen vermitteln können, wenn du Fragen hast, melde dich!