Wir Menschen sind wahre Anpassungswunder, bereits im Kindesalter lernen wir uns selbst zurückzunehmen, nicht laut zu sein, nicht aufdringlich oder stur zu sein, wir lernen nicht dagegen zu reden und spätestens im Schulalter lernen wir, dass wir alle einer gewissen Norm entsprechen müssen, ungeachtet dessen wie vielfältig, unterschiedlich und einzigartig jedes Individuum einer Klasse ist. Ohne das Instrument der Anpassung wäre es uns nicht möglich in der Gesellschaft anerkannt und zugehörig zu sein.

Wenn wir allerdings erwachsen werden stellen wir, früher oder später fest, dass die Anpassung einen verdammt hohen Preis hatte, wir wissen nicht mehr wer wir eigentlich sind, wir sind unzufrieden und unglücklich, wir fühlen uns leer und ausgelaugt. Die Frage „wie geht es dir?“ können wir schon lange nicht mehr ehrlich beantworten, oft auch weil wir es gar nicht mehr fühlen können wie es uns wirklich geht, oder aber wir sagen die Wahrheit nicht, weil es dem angepassten Teil in uns wiedersprechen würde ehrlich, aufrichtig und ECHT zu sein.

Wir suchen einen Ausweg und entscheiden uns dafür mit einem Hund zu leben, dann passiert etwas interessantes: Obwohl uns die Anpassung Unglück und Unerfülltheit brachte verlangen wir von diesem Hund nun das er sich anpasst, genauso wie wir es einst taten und tagtäglich immer noch tun, dieser Hund muss Kommandos befolgen, sich an Regeln halten die für ihn keinen Sinn ergeben und überall und zu jeder Zeit mit dabei sein, er muss sich von seiner Natur trennen um all das überhaupt leisten zu können. Ein extremes Beispiel dafür sind die Dienst- bzw. Arbeitshunde, bei dem was diese Hunde leisten müssen will ich gar nicht wissen wie die Ausbildung dafür aussieht.

In beiden Fällen bleibt allerdings eines gleich: der Hund hat kein Mitspracherecht, er muss funktionieren und sich seinem Menschen und seinem neuen Umfeld anpassen. Wenn das Maß der geforderten Anpassung so groß wird das der Hund dies nicht mehr leisten kann, weisen auch Hunde Verhaltensweisen auf, die den des Menschen auffällig ähnlich sind, sie wirken depressiv, aggressiv, stereotyp und abgeschnitten von sich selbst. Ich wurde vom Leben mit einer Hündin beschenkt die anders war als die meisten Hunde. Suki war noch völlig authentisch, völlig echt, innerlich so stark und unverrückbar, sie weigerte sich vehement, sich in dem Maß anzupassen wie das in unserer Gesellschaft von einem Hund erwartet wird.

Sie konnte die Grundkommandos – aber nur wenn sie wollte, ein schärferer Ton in ihre Richtung reichte und sie war gar nicht mehr ansprechbar. Sie verwehrte sich jeglicher Dressur und jeglicher Erziehung, erst als ich anfing auf sie einzugehen und meine eigenen Einstellungen im Zusammenleben mit einem Hund zu hinterfragen wurde ein Team aus uns, und ich begriff langsam – sie brauchte sich nicht anzupassen, ich war es der die Anpassung hinter sich lassen durfte, sie war mein Wegweiser in ein neues Leben in dem auch ich wieder der werden durfte der ich eigentlich bin…