Es geht darum den Hund als gleichwertiges und eigenständiges Wesen wahrzunehmen, auf seine Bedürfnisse einzugehen, und ihn durch unsere menschliche Welt zu führen. Ohne Kommandos, Leckerli, Klicker oder andere künstliche Hilfsmittel, dafür mit Kontakt, Vertrauen, eigener Intuition, den eigenen Stärken, gegenseitiger Wertschätzung und der Sprache der Hunde. Ich habe keine Methoden, dafür kann ich Dir einen Weg zeigen, den Du mit deinem Hund gemeinsam auf eure ganz eigene Weise beschreiten kannst.

Das ist zwar nicht viel, doch steckt in diesem Absatz alles was Du wissen solltest und worauf es ankommt. Wenn Du mehr wissen möchtest:

Lennys Geschichte:

Da diese Geschichte einen guten Einblick gibt welches Potential in diesem Weg steckt möchte ich Dir von Lenny, meinem zweiten Hund, erzählen. Ich mache das allerdings nicht um Dir zu beweisen was für ein toller Trainer ich bin, sondern um Dir Hoffnung zu machen, alles ist möglich, und jeder Mensch kann das, was ich mit Lenny schaffte, ebenfalls mit seinem Hund schaffen. Im November 2018 erreichte mich der Anruf einer Frau. Ihr Hund Lenny war sehr aggressiv und sie hatte schon ALLES versucht, zwei Resozialisierungscenter in denen er jeweils ein Monat war und zehn Hundetrainer vor mir hatten die Problematik noch weiter verschärft, oder es blieb alles beim Alten. Einige Tage später lernte ich Lenny kennen.

Die hoffnungslose Situation in der die Beiden steckten berührte mich tief, man merkte das Adela ihren Hund über alles liebte, doch sie sah keinen Ausweg mehr. Es war schon zu viel geschehen, die Situation schon zu eingefahren und die Kräfte beider, Hund wie Halter, wurden immer geringer. Da auch die Tierheime (verständlicher Weise) nicht bereit waren Lenny zu übernehmen entschlossen sich meine Freundin und ich zwei Monate später, dazu Lenny zu uns zu nehmen.

So hat mich mein Seelenhund gefunden. Mein Hund, der mich nicht selten zur Weißglut brachte, der von mir, Tag für Tag fordert das ich noch mehr an mir arbeite als ich es schon mit Suki tat und tue. Ich will Dir nichts vormachen, oft ist das anstrengend, aber wie so oft im Leben kommt es nur auf meine innere Haltung, meine Einstellung an. Ich habe einen Lehrmeister an meiner Seite der mir weit mehr lehrt als es jede Ausbildung der Welt könnte, sowohl als Trainer, über Hunde, als auch über das Leben im Allgemeinen, und vor allem über mich selbst. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Lennys Leben heute: er verteidigt sein Futter nicht mehr, er läuft die meiste Zeit frei (mit klarer Führung), er lässt sich Zecken entfernen, wir gehen in den großen Freilaufflächen in Linz spazieren – Menschen ignoriert er völlig, wenn ihn jemand angreifen möchte, weicht er zurück, Hunden gegenüber ist er (fast) immer freundlich. Er arbeitet mit mir im Tierheim Steyr als Therapiehund für Hunde die aus ihrer Mitte gekippt sind, er fährt mit uns Campen und lässt sich auch behandeln, wenn er sich verletzt hat, er unterstütz uns auf den Seminaren – vor allem mit schwierigen Hunde Ladys, und er hat Freundschaft mit einigen unserer Verwandten und Freunden geschlossen. Den Maulkorb hat Lenny, seit er bei uns ist, kein einziges Mal getragen, und dabei wird es auch bleiben.

Ich bin kein Wunderwuzi sondern auch nur ein Mensch. Ich habe mich lediglich auf Lenny, seine Bedürfnisse, sein Wesen, und seine Botschaften eingelassen. Das ist das ganze Geheimnis hinter dieser Geschichte. Auch Du kannst das bei deinem Hund tun. Wenn Du Unterstützung möchtest bin ich gerne für Dich da.

Von Adela – Februar 2019:

Vor etwa zwei Jahren nahm ich Lenny, einen Tornjak Mix, auf und verliebte mich in sein lebendiges und treues Wesen. Als ängstlicher, unsicherer, aber lernfreudiger Hund begegnete er der neuen Umwelt. Zunächst schien sich alles gut zu entwickeln, sowohl er als auch ich.

Doch je älter er wurde und je schwächer ich aufgrund diverser Lebensumstände, desto stärker übernahm er seine veranlagte Aufgabe, mich zu beschützen. Nach unserem Umzug von der reizüberfluteten Stadt aufs ruhige Land begann alles und jeder Reiz eine Gefahr darzustellen. Dieser Schutztrieb wurde so groß, dass er alles, was oder wen er nicht kannte, auf Distanz hielt. Und als er sogar noch jene auf Distanz hielt, die er kannte, war ich am Ende mit meinem Latein.

Er reagierte mit Aggressivität und war unterwegs kaum zu bändigen. Deshalb entschied ich mich nach der Welpenschule, Einzeltrainings zu nehmen: Von da an sah Lenny viele Trainer kommen und gehen. Trainer, die mit heftigen Leinenrucks, diversen Angstmachereien und Geschrei arbeiteten, Trainer, die den Hund im Gehege rumlaufen und ein paar Geschicklichkeitsübungen machen ließen, dafür aber unglaublich viel Geld verlangten und mir keine Möglichkeiten aufzeigten, mit der Aggression umzugehen, Trainer, die meinten, dass mein Hund ein hoffnungsloser Fall sei und man ihn wohl einschläfern müsse, Trainer, die mir erklärten, dass ich mit Liebes- und Futterentzug arbeiten solle und Trainer, die mir erklärten, dass mein Hund krank sei.

Diese Liste ließe sich noch fortsetzen. Ich war verzweifelt und mit all meinen Kräften am Ende. Niemand konnte mir helfen. Ich führte unzählige Telefonate in Österreich und Deutschland mit Tierschutzvereinen, Herdenschutzverbänden, Gnadenhöfen usw., doch entweder wurde ich abgewiesen, musste mir Vorwürfe anhören oder kam auf eine Warteliste. Doch dann stieß ich auf das Tierheim Steyr und auf einen Beitrag über einen Trainer, der einen äußerst schwierigen Hund im Tierheim resozialisierte. Die Geschichte des Hundes ähnelte meiner mit Lenny sehr stark und so kontaktierte ich erstmalig Andreas Krammer.

Zugegebenermaßen hatte ich mir anfangs nicht viel erhofft, da er zunächst einer von vielen Trainer war, die ich um Hilfe bat. Doch Andreas Krammer schaffte etwas, dass zuvor noch niemand geschafft hatte: Er zeigte mir einen Ausweg und weckte meine Hoffnung. Als er zu Besuch kam, bat er mich, in den Garten zu gehen, während er alleine in die Wohnung ging. Immer wieder erklärte ich Andreas eindringlichst, dass mein Hund aggressiv ist und er mit Sicherheit zubeißen würde. Keiner könne sich ihm einfach so nähern, ohne dass er austickt. Doch Andreas vertraute Lenny vielmehr als ich, ohne ihn zu kennen. Ich hatte panische Angst davor, was passieren würde, wenn er in die Wohnung geht und als es soweit war, hörte ich draußen wartend meinen Hund bellen und jaulen und sah durchs Fenster, wie ruhig Andreas vor meinem Hund stand und lediglich über seine Energie, Sicherheit vermittelte. Ein paar Minuten lang. Dann kam Andreas hinaus und bat mich, hineinzukommen. Als ich das Wohnzimmer betrat, zuckte Lenny, weil er mich beschützen wollte, wieder aus, aber Andreas blieb unglaublich ruhig und gab Lenny die Sicherheit und das Vertrauen, das er brauchte. Mehrere Stunden war Andreas bei mir zuhause und der Hund lag einfach neben uns und ließ sich sogar von Andreas streicheln.

So etwas gab es zuvor nicht. Noch nie hatte mich jemand in der neuen Wohnung besuchen können. NIE. Und als ich Andreas kennenlernte, verstand ich langsam seine Philosophie in der Hunde- und Menschenerziehung. Mit viel Vertrauen, Respekt, Sicherheit und Geduld begegnet er sowohl Mensch als auch Tier. Er spürt ganz genau, was der Hund braucht. Er sieht und hört genau hin und schenkt dem Hund seine ganze Aufmerksamkeit. Er begreift den Hund nicht als Maschine, die Befehle ausführen soll, sondern als Wesen mit Herz und Hirn. Jede Aufgabe und jede Herausforderung sieht er als Chance zu lernen, so schwer die Aufgabe auch sein mag.

Mir wurde die Aufgabe zu schwer mit Lenny und ich war kurz davor aufzugeben. Doch Andreas nahm meinen Hund in Obhut und gibt ihm dadurch nun eine Chance, auf ein ausgeglichenes, angstfreies Leben. Dafür bin ich unendlich dankbar. Sowohl seine Arbeits- als auch Lebensphilosophie ist sehr beeindruckend und inspirierend und hat mir gezeigt, wo ich stehe. Lenny hat ein neues zuhause und so weh es auch tut, ich sehe, wie glücklich und befreit er ist. Er darf Verantwortung abgeben. Als ich Lenny zum Andreas brachte und mich verabschieden musste, brach es mir das Herz. Doch als ich bereits am Abend erste Fotos und Videos bekam, indem er mit zwei anderen Hunden spielt, sich streicheln lässt und gemütlich am Fußboden schläft, wusste ich, dass ich zumindest mit dieser Entscheidung vollkommen richtig lag.