Lenny´s erster Urlaub

Viele von euch haben Lenny´s Geschichte mitverfolgt, wie ich ihn von einer Kundin zuerst als Pflegestelle übernommen habe, (was aufgrund der schwierigen Situation in der sich die Beiden befanden und der Tatsache, dass kein Tierheim, Verein, Pflegestelle usw. bereit war Lenny zu nehmen eine absolute Ausnahme war) und wie wir uns nach drei Wochen entschieden haben Lenny´s für immer Zuhause zu sein. Viele von euch haben die zahlreichen Beiträge gelesen in denen ich unsere Erfolge sowie unsere Schwierigkeiten und Themen schilderte. Lenny ist nun fast 7 Monate bei uns, in denen er uns unfassbar gefordert hat. Dieser Hund war und ist sicherlich die größte Herausforderung meines bisherigen Lebens. Ich durfte schon so viele Hunde kennenlernen und Führen, auch die Tierheimhunde waren und sind gute Lehrer für mich doch kein Hund den ich kenne ist nur annähernd so wie Lenny, er ist mein größter Lehrmeister in so vielen Bereichen das es auch für mich oft schwierig ist friedvoll und klar zu bleiben. Jedes Mal wenn mir doch mal die Zündschnur riss machten wir Rückschritte, ich merkte sofort das sein Vertrauen in mich, welches bei Männern durch seine Vorgeschichte sowieso schon zerstört ist, wieder erschüttert war und ich mir, dass was ich in wenigen Sekunden vermasselt hatte in mehreren Tagen oder Wochen wieder hart erarbeiten musste. Wie damals schon bei Suki war vor allem ich es, der lernen durfte wie ich Lenny das geben kann was er braucht, so dass er es auch annehmen kann. Sanftmut, Bestimmtheit, Verständnis und bedingungslose Liebe waren und sind das was uns weiterbringt. Druck, Dominanz, Ablehnung und Unsicherheit sind entweder gefährlich für mich, und/oder es schadet unserer Beziehung. Auch Lenny möchte mit all seinen Facetten geliebt werden, wenn ich ihm das verwehre verwehrt er sich ebenso. Was ich lange nicht wahrhaben wollte, dass mit diesem Hund vieles mehr Zeit braucht als ich es mir gewünscht habe. Auch das lehrt mir Lenny: Geduld. Nun nach fast 7 Monaten haben wir unseren ersten gemeinsam Campingurlaub in der Steiermark verbracht. Ein Urlaub schweißt zusammen, so war es schon mit Suki und diesmal war es sogar noch intensiver. In der letzten Woche hat sich wirklich viel getan. Lenny wirkt als würde er jetzt erst richtig ankommen, richtig verstehen das er für immer zu uns gehört, und jetzt erst habe ich das Gefühl, dass er wirklich vertrauen fasst und sich wirklich zeigt mit all seinen Kaspereien und Späßchen.

 

Von den Kompetenzen und vom Grenzen setzen

Wie wir Menschen kommen auch Hunde mit gewissen Kompetenzen und Ressourcen auf diese Welt. Es gibt geborene „Chefs“ die Situationen beurteilen und Entscheidungen treffen und Mitarbeitertypen die einen Auftrag ausführen. Bei diesen gibt es wiederrum Abteilungsleiter die halbautonom agieren, von einem Entscheidungsträger mit einer Aufgabe beauftragt werden und diese dann selbstständig ausführen und es gibt nichtautonome die einen ganz klaren Rahmen benötigen. All diese Kompetenzen gibt es intro- und extrovertiert. Dann gibt es noch die Verbinder die das Rudel zusammenhalten, sie sind die Schlussentscheider deren Motiv es ist Entscheidungen zu treffen, die sich für die ganze Gruppe gut anfühlen. Sie wirken mal intro- mal extrovertiert, so wie es ihr Gegenüber benötigt. Wenn ich von Grenzen setzen spreche geht es mir nicht darum ein Kommando wie „Aus, bei Fuß, oder Sitz“ anzuwenden oder ein Verhalten des Hundes abzubrechen. Es geht vielmehr um eine Beziehungsverhandlung wie sie im natürlichen Hunderudel stattfindet. Hunde untereinander verhandeln ihre Beziehung mit Ressourcen, (Stöcke, Futter, Schlafplätze usw…) diese werden in der hündischen Welt von den Entscheidungsträgern des Rudels verwaltet (beansprucht und auch wieder freigegeben). Dies tun sie allerdings nicht, weil sie die Alpha Tiere sind, sondern um anzufühlen mit welchen Individuen sie da zusammenleben und was das gegenüber so draufhat. So ist es z.B. für einen Entscheidungsträger wichtig zu wissen wer von seinen Mitarbeitern schnell rennen kann, wer gewitzt ist und wer schon älter ist und nicht mehr so schnell Aufträge, wie z.B. ein neues Gelände auszukundschaften, erfüllen kann. Auch ist es für einen Mitarbeiter wichtig zu wissen, wer im Rudel Entscheidungen trifft und was die „Chef´s“ so draufhaben. Das Leben des Rudels hängt von den Entscheidungen der Entscheidungsträger ab, darum sollten sie in allen Situationen ruhig und souverän bleiben, um überhaupt gute Entscheidungen für die Gruppe treffen zu können. All das erfahren die Hunde voneinander nur wenn sie einen Dialog beginnen. Wir Menschen haben die Angewohnheit unsere Hunde abzustellen, mit Abbruch Signalen wie „Aus“. Eine tiefe Bindung und echter Kontakt wie in einem Hunderudel ist uns Menschen mit unseren Hunden jederzeit genauso möglich, wenn wir anfangen ihre Sprache zu lernen, zu verstehen und mit ihnen zu kommunizieren wie Hunde es untereinander tun. Wenn der Mensch die Rolle des Entscheidungsträgers einnimmt, Ressourcen ruhig und souverän verwaltet und Entscheidungen trifft die sich auch für den Hund gut anfühlen wird ein tiefer Kontakt, ein verbunden sein, entstehen. Die meisten von uns wissen gar nicht mehr wie sich richtiger Kontakt anfühlt, ich habe das auch erst mit Suki wiederfinden dürfen.
Kontakt baucht keine Kontrolle.