Über Halsbänder und den Hund „im Griff“ haben

Oft hört man es von Hundetrainern wie in Hundeschulen das man ein Halsband anstatt eines Brustgeschirres verwenden soll um den Hund besser im Griff zu haben.
Ich persönlich bin da anderer Meinung. Meine eigenen Hunde wie auch die Zugmaschinen aus dem Tierheim, nehme ich nur mit Brustgeschirr mit, ich möchte nicht das sich ein Hund an seinem Halsband stranguliert und nur aufhört zu ziehen, weil er keine Luft mehr bekommt, oder sich im schlimmsten Fall beim in die Leine schmeißen (falls ich etwas übersehen habe) das Genick bricht.
Es gibt auch andere Wege, zum Beispiel dem Hund einfach zu sagen das man nicht will das er zieht, bei vielen Hunden reicht schon die Information was von ihnen gewünscht wird oder nicht gewünscht wird. Wenn das nicht ausreicht setzte ich eine Grenze, wie immer ruhig und friedlich. Ich möchte meine Hunde nicht im „Griff“ oder unter „Kontrolle“ haben. Sie sind eigenständige, hoch intelligente Wesen und Familie für mich. Natürlich gibt es klare Regeln (z.B. andere Menschen und Hunde an der Leine sind tabu und wir gehen nicht jagen) doch ihr Wesen und ihre Eigenheiten dürfen sie behalten.
Suki z.B. pöbelt gerne durch den Zaun vorbeigehende Leute und Hunde an, nach drei Jahren Tierheim in denen sich die Hunde oft den ganzen Vormittag durch den Zaun anstänkern, ist das kein Wunder. Lenny tut sich nach wie vor mit fremden Menschen vor allem Männern schwer, nach dem was er erlebt hat ist das kein Wunder. Dies sind Prägungen die man nicht einfach wegtrainieren kann, es sind Muster die so tief in ihrem Wesen verankert sind das man sie oft nur in einen annehmbaren bis angenehmen Ramen bringen kann. So kann Lenny sich heute, wenn er einen Mann öfter gesehen hat und dieser im sympathisch ist, auch mal streicheln lassen und Suki kann es auch lassen, wenn man ihr ganz klar sagt das sie nicht zum Zaun schießen soll. Hunde sind keine Maschinen, sie sind Wesen wie wir und sie haben das Recht auf ihre Eigenheiten und ihre Persönlichkeit. Sobald ich einen Hund „im Griff“ habe oder „unter Kontrolle“ habe nehme ich ihm dieses Recht. Meine Hunde haben, jeder für sich eine Geschichte vor mir, mit der ich lernen durfte umzugehen. Jeder Hund, ob vom Tierschutz oder vom Züchter hat ein eigenes Wesen, so komme ich auch häufig zu Kunden die sich wundern das sie ihren Hund vom Züchter haben und dieser „trotzdem“ ängstlich, stur, oder eigensinnig ist. Auch das ist etwas das man nicht „reparieren“ kann, sondern mit dem man lernen darf jedes Wesen so zu führen und zu lieben wie es ist.

„Vollkommen aber nicht Perfekt“ – Maja Nowak

Das für seinen eigenen Hund zu erkennen ist etwas das wirklich Bindung und Kontakt schafft.
Ganz ohne Hundeschule und Trainerstunden…

 

Wie viel Beschäftigung braucht mein Hund?

Wir leben schon in einer verrückten Zeit in der einem als Hundehalter von allen Seiten erzählt wird, dass man seinen Hund ausreichend beschäftigen muss und man möglichst viel an Aktivität machen soll… Dog Dancing, Agility, Degility, Dog Frisbee und noch unendlich viele mehr… Das Angebot ist riesig und die Nachfrage ist offensichtlich groß genug.
Als Suki erst ganz kurz bei mir war habe ich auch eine Degility Einheit mit ihr gemacht, das untere Foto ist dabei entstanden. Es gab ihr und mir nur wenig, künstliche Hindernisse zu überqueren und so war sie nur mit der Leberwurst der Trainerin über die Hindernisse zu bewegen. Sie hing an der Tube wie ein Baby an der Nuckelflasche. Es war ziemlich genau dieser Zeitpunkt an dem das Foto aufgenommen wurde als ich mich fragte was ich da eigentlich tue… warum ich das eigentlich tue… weil die Leute sagen man muss was machen mit seinem Hund…
Das war das erste und letzte Mal das ich etwas mit Suki machte, weil es sich so gehört in unserer Gesellschaft.
Wenn man sich ein natürliches Hunderudel ansieht fällt auf das diese Hunde energiesparwunder sind, sie liegen fast den ganzen Tag herum, selbst jagen gehen sie nur, wenn die Mistkübel der Menschen nichts hergegeben haben. Am Abend suchen sie sich einen sicheren Schlafplatz und mützen weiter.
Die Mensch -Hund Beziehung die dieser Lebensweise am nächsten kommt sind Menschen die mit ihren Hunden auf der Straße leben. Oft sieht man sie während einer Städtereise. Jeden der sich schon mal gefragt hat wieso genau diese Hunde trotz des vielen Lärms, der Welle an Gerüchen und den Massen an Menschen und Hunden die entspanntesten Fellnasen überhaupt sind kann ich sagen: weil sie am natürlichsten mit ihren Menschen leben. Sie sind 24 Stunden am Tag zusammen, gehen gemeinsam auf „Nahrungssuche“ und am Abend gemeinsam schlafen. Keiner dieser Menschen macht Agility, Dog Dancing oder besucht eine Hundeschule, viele dieser Hunde kennen nicht einmal die Grundkommandos und doch sind genau diese Hunde unfassbar gechillt, und unproblematisch, ganz ohne viel Auslastung.
Da ich das Glück habe nicht auf der Straße leben zu müssen ist es bei uns ein bisschen anders, wir gehen 2x täglich für 1-2 Stunden spazieren, je nachdem wie viel Zeit ich habe, dabei versuche ich so gut wie möglich im Moment zu sein, im Kontakt mit meinen Hunden zu sein, wenn sie wo schnüffeln bleibe auch ich stehen, und wenn wir wo einen schönen Platz gefunden haben halten wir uns dort auch mal eine halbe Stunde oder länger auf und meine zwei erkunden das Gelände selbstständig, in ihrem Tempo nach ihren individuellen Interessen. Ich sehe ihnen dabei freudig zu und greife nur ein, wenn sich einer von ihnen nach Hasen umschauen möchte, ansonsten dürfen sich meine Hunde in dieser Zeit selbst bespaßen. Nach so einem Spaziergang sind wir vielleicht nur 600 Meter weit gekommen und doch sind sie danach streichfähig. Schnüffeln, buddeln, Stöcke aus dem Wasser tauchen und was ihnen sonnst noch so einfällt macht eben müde. Hunde schlafen zwischen 17-20 Stunden am Tag von Natur aus, es sei denn man beschleunigt und pusht sie, das hat dann allerdings nichts mehr mit dem zu tun was der Hund braucht.
Wenn du einen Hundesport wegen und für deinen Hund betreibst kannst du ihn auch lassen, wenn du ihn betreibst, weil er dir Freude bereitet macht es (in der Regel) auch deinem Hund spaß und dann spricht auch nichts dagegen.

Wie immer, hör auf DEIN Gefühl…