Führung statt Dressur

Als Dressur oder Abrichtung wird die Ausbildung von Tieren zu einem bestimmten Zweck bezeichnet.
Soweit die Definition lt. Wikipedia.
Dressur ist also alles Unnatürliche, auch die weit verbreiteten Standardkommandos und das Leckerli Modell gehören dazu. Ich möchte heute zwei Maja Videos mit dir teilen, die mich als ich sie das erste Mal sah sehr berührt haben. Diese Videos sind einer der Gründe warum ich weder Kommandos noch Leckerli anwende. Wie immer möchte ich dich mit diesem Beitrag von nichts überzeugen, sondern dich lediglich dazu ermutigen auf dein Gefühl zu achten. Was fühlst du, wenn du deinen Hund ein Leckerli hinhältst, was fühlst du, wenn du ihn ein Kommando wie „Sitz“ ausführen lässt? Wenn es sich für dich gut und stimmig anfühlt ist das natürlich völlig legitim. Solltest du aber zu den Menschen gehören, die einen dumpfen Druck im Körper verspüren, einen Klos im Hals bekommen oder andere unangenehme Gefühle auftauchen dann möchte ich dir sagen: es gibt einen anderen Weg und du bist nicht alleine. Ich begegne täglich Menschen, die sich mit dieser Art des Zusammenlebens nicht mehr wohlfühlen, viele glauben es ginge eben nicht anders. Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, es geht anders. Vielleicht sagt dir deine Intuition, dass der Weg, den ich mit meinen Fellnasen gehe, nichts für dich ist, oder aber sie sagt dir „den Kerl sollte ich anrufen“ In beiden Fällen kann ich dir nur raten auf dein Gefühl zu hören. Unser Bauch hat immer die richtige Entscheidung für uns parat. Wenn wir wieder anfangen auf das zu hören was in uns steckt werden sich (und das kann ich dir versprechen) Tore öffnen und selbst auferlegte Fesseln werden zu Staub zerfallen.
Das betrifft natürlich alle Lebensbereiche.

Danke Suki, ohne dich hätte ich für diese Erkenntnis wohl ein ganzes Leben gebraucht!

https://www.youtube.com/watch?v=iIvv8DOEMVU&t

https://www.youtube.com/watch?v=dUs7owQ126Q

Ich habe einen Traum

Ich träume von einer Welt in der Würgehalsbänder, Schockhalsbänder, Leinenrucks, dominante, einschüchternde, dressierende und bestechende Trainingsmethoden der Vergangenheit angehören und wir anfangen unsere Hunde so wahrzunehmen wie sie von Natur aus sind.

Sie sind eigenständige, vollkommene und wundervolle Wesen, die uns weiterbringen wollen. Sie fordern uns auf tätig zu werden, Verantwortung für uns und unser Leben zu übernehmen, unser Leben in die Hand zu nehmen, uns zu hinterfragen, uns bewusst zu werden was uns gut tut und was nicht. Auf das wir dann alles was uns nicht gut tut seinlassen und anfangen unser Leben nach unseren Vorstellungen zu gestalten. So werden wir anfangen wirklich zu leben. Und vor allem glücklich zu leben. Die Ohnmacht des Müssens wird der Vergangenheit angehören. Wir werden das Leben mit all seinen Wundern wahrnehmen, wir werden anfangen tiefere Zusammenhänge zu sehen und es wird keine Schlechtwetterwelle, kein anstrengender Arbeitstag, kein nerviger Mitmensch mehr die Macht haben uns aus unserer Lebensfreude zu bringen. Und das alles nur wegen ihnen, wegen unseren Hunden, die uns jeden Tag zeigen wie schön das Leben im hier und jetzt ist und die uns auffordern aktiv zu werden. Endlich das zu tun was WIR wollen! Nicht mehr unbewusst Jahr für Jahr verstreichen zu lassen, sie wollen das wir endlich anfangen zu LEBEN. Anfangen mit ihnen als gleichwertige Partner zusammenzuleben.

Ich habe diesen Weg mit Suki vor zweieinhalb Jahren eingeschlagen, weil sie mir alles andere verweigerte. Weder Leckerli noch Kommandos konnten sie beeindrucken und so führte sie mich zu einem Weg, den auch sie mit mir gemeinsam gehen wollte. Von Anfang an war ich begeistert wie schön und harmonisch sich alles fügte, schnell keimte der Wunsch in mir dieses Wissen weiterzugeben und so vielen Menschen wie möglich zu zeigen welch unglaublichen Unterstützer wir an unserer Seite haben.

Ich verstehe mich als Übersetzer und Vermittler zwischen Hund und Mensch und ein Geheimnis kann ich Dir verraten, dein Hund will dich immer weiterbringen, egal wie respektlos, unangemessen oder fürchterlich du sein Verhalten auch finden magst, er möchte das du dich entwickelst, aktiv wirst, die Verantwortung für ihn, dich und euer Leben übernimmst.

Dazu gehört es auch ihn durch unsere menschliche Welt zu führen um ihn vor Gefahren und Überforderung zu bewahren, wenn du das noch nicht kannst oder willst gibt es womöglich noch ein Thema in dir das darauf wartet gelöst zu werden. Wieder ein Beispiel von mir: ich konnte die Grenzen (z.B. das wir zu dem anderen Hund an der Leine nicht hingehen) die Suki brauchte nicht ruhig setzen, ich wurde immer gleich aufbrausend, was zur Folge hatte das sie die Grenze nicht annehmen konnte. Bis ich mich eines Tages dem Thema gestellt habe warum ich die Ruhe die ich als Kind so intensiv gelebt hatte nicht mehr zulassen konnte. Jeder der mich kennt weiß ich bin (nun wieder) die Ruhe in Person. Die Hunde führen uns wieder in unsere Natürlichkeit, wenn man sie nur lässt. Ich möchte dich dabei unterstützen dies wahrzunehmen und dir zeigen wie du mit deinem Hund ganz natürlich, ganz ohne Stress, ganz ohne künstliche Methoden, dafür mit viel Liebe, Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung zusammenleben kannst.
Das ist der Grund weshalb ich meine Ausbildung bei Maja Nowak machte und heute selbständiger „Hundetrainer“ (eher Menschentrainer) bin, nicht wegen der Kohle (da wäre es besser gewesen in der Wirtschaft zu bleiben) sondern weil ich etwas verändern möchte.
Ich träume von einer Zeit, in der jeder Mensch seinen Hund so sieht und wahrnimmt wie ich Suki und Lenny sehe und wahrnehme.

Familie, Lehrmeister und Kompass zu uns selbst das sind sie für mich.

Danke das du den Beitrag bis zum Ende gelesen hast.

Lenny´s erster Freigang

9 Wochen ist es nun her, dass Lenny zu unserem Rudel gehört. In diesen 9 Wochen hat er uns unfassbar vieles gelernt und uns unglaublich weitergebracht. Wenn ich an unseren ersten Tag zurück denke muss ich schon schmunzeln, einen Hund zu übernehmen den man nicht mal die Pfoten abwischen konnte ohne, dass er versuchte einen zu schnappen ist schon ein bisschen verrückt gewesen. Meine Freundin und ich ließen uns auf dieses Abendteuer ein, weil wir wussten, dass es für Lenny die wohl letzte Hoffnung auf ein entspanntes und glückliches Leben sein würde. Niemand wollte ihn haben weder ein Tierheim noch Gnadenhof war bereit ihn zu nehmen. Wir zwei Verrückten dachten uns „so schlimm wird’s schon nicht werden. Wir bringen ihn wieder auf Schiene und dann suchen wir ihm ein neues Zuhause.“ Nach 3 Wochen war dann auch uns klar das er bei uns bleiben würde und zwar für immer. Zum einen, weil seine Muster doch gravierender waren als gehofft und zum anderen hatten wir ihn schon viel zu gerne, um ihn herzugeben. Auch Suki hatte sich sofort in ihn verliebt und so hatte das Schicksal entschieden. Lenny sollte unser zweiter großer Lehrmeister werden. In den ersten Wochen war viel los bei uns, fast täglicher Besuch, um Lenny zu zeigen das es nicht seine Angelegenheit ist wer hier bei uns ein und ausgeht. Täglich hagelte es friedvolle Grenzen, damit er überhaupt zu bändigen war. Er versuchte uns auf Schritt und Tritt nachzulaufen, jedes Mal schickten wir ihn retour in sein neues Körbchen (seine Matratze mussten wir ihm nehmen da er sie so strak verteidigte, der Geruch hielt ihn in der Vergangenheit gefangen). Eine unglaubliche Geduld wurde von uns gefordert, immer und immer wieder hinterfragte er unsere gesetzten Grenzen. Herdenschutzhund – Tornjakmix… „hartnäckig, stur und zäh“ steht in der „Rassebeschreibung“ das konnten wir nur bestätigen zum Glück hatte Suki uns schon einiges an Herdenschutzhundverhalten gezeigt, doch Lenny war nochmal eine ganz andere Nummer. Die Intensität mit der er sein Futter verteidigte verlangte einiges an Fingerspitzengefühl von uns. 3 Wochen tüftelten wir bis wir einen Weg fanden, wie es Lenny annehmen konnte sein Futter nicht zu verteidigen. Ein weiteres großes Thema, Sozialkontakt, streicheln, bürsten, Pfoten trocknen, Zecken entfernen, ihm einen Kratzer auf der Nase behandeln… All das war anfangs schwierig und sowieso nur möglich, wenn er wollte. Doch Zecken gehören nun mal raus und eine Wunde muss man nun mal versorgen (auch wenn der Kratzer eher eine Übung war als eine Wunde). Entschlossen, ruhig, friedvoll und völlig klar machten wir uns auf den Weg zu ihm und taten was zu tun war, von seiner Abwehr (brummen, fletschen) ließen wir uns nicht beeindrucken, auch wenn unser Puls immer verrücktspielte, wir blieben dran. Nach den ersten malen sah er das ihm nichts passiert, wenn wir was von ihm wollen, er fasste Vertrauen und unterließ seine Abwehrversuche von da an. Heute können wir ihm problemlos Zecken an heiklen Stellen entfernen, ohne ihn noch zu halten.
Die nächste Baustelle war das spazieren gehen. In den ersten 2 Wochen war es nicht möglich mit beiden Hunden zu gehen. Lenny orientierte sich so stark an Suki das ein wachsamer Blick von ihr in eine Richtung reichte, um Lenny in Hysterie zu versetzen. Er bellte dann in alle Himmelsrichtungen, ohne überhaupt zu wissen weshalb. Ich machte Stadtspaziergänge mit ihm, um ihm zu zeigen das er sich auf MICH verlassen kann und MIR vertrauen kann also sich an MIR orientieren kann. Von Tag zu Tag orientierte er sich mehr an mir, suchte bald von selbst Blickkontakt und fing an zu Fragen (mit dem Blick) bevor er anfing hysterisch zu bellen. Langsam, aber sicher bekamen wir das Gefühl, das er ankommt, seine Vergangenheit loslässt und sich wohlfühlt bei uns. 2 Wochen dauerte es bis er unsere Informationen annahm (z.B. das, es in Ordnung ist, wenn sich im Haus etwas bewegt und er nicht in ein panisches Bellen verfallen braucht nur weil wer die Kellertreppe runtergeht). 3 Wochen dauerte es bis wir ihn für kurze Spielereien mit Suki von der Leine ließen. 4 Wochen dauerte es bis er sein neues Körbchen in unserem Schlafzimmer in Anspruch nahm und es vorzog beim Rudel zu schlafen. 7 Wochen dauerte es bis wir einen entspannten gemeinsamen Spazierganz zu viert erleben durften und nun nach 9 Wochen kann er seine ersten Spaziergänge mit Führung und ohne Leine genießen. Ich will euch nichts vormachen, es gibt gute und weniger gute Tage, wir sind noch lange nicht am Ziel und es warten noch einige Herausforderungen auf uns, doch wie heißt es so schön:
„Der Weg ist das Ziel.“ Danke das du bei uns bist Lenny, und uns jeden neuen Tag ein bisschen mehr von deinem waren Wesen zeigst. Wir haben dich sehr lieb.

Verständnis statt Verzweiflung

Als ich Suki bekam habe ich vieles was sie mir versuchte mittzuteilen, einfach nicht verstanden. Ich kann mich noch gut erinnern das ich oft verzweifelt war. Ich fühlte mich überfordert und hilflos, weil die Dinge einfach nicht so liefen wie sie sollten. Bei dem Trainer, der damals bei mir war, sah alles so einfach aus. Heute stehe ich auf der anderen Seite. Und das hauptsächlich aus dem Grund, weil ich das, was mich Suki gelehrt hat weitergeben möchte. Es gibt immer einen Hintergrund warum sich unser Hund so verhält wie er es tut. Manchmal liegt es an der Vorgeschichte oder am Wesen des Hundes und manchmal (meistens) hat es mit seinem Menschen zu tun. Ich für meinen Teil, durfte erst in meine Natürlichkeit zurückfinden. Die Ruhe und Friedfertigkeit die ich als Kind gelebt habe war mir im Laufe meines Lebens abhandengekommen. Als ich sie wiedererlangt hatte, lösten sich viele Themen in Luft auf. Der Hund ist der Spiegel unserer Seele.
Diesen Spruch kennt jeder…
Wenn wir nun verstehen lernen was uns unser Hund mitteilen möchte, brauchen wir nicht mehr verzweifelt, hilflos oder wütend zu sein. In dem Moment, in dem wir verstehen, können wir etwas tun, wir können wieder in unsere Natürlichkeit zurückfinden.
Es ist der Weg zu uns selbst den unsere Hunde uns weisen. Jeden der sich auf diesen Weg, also seinen Hund, einlässt kann ich nur gratulieren, denn sein Leben wird bald ein glücklicheres sein.

„Wege entstehen dadurch das man sie geht.“

Das Sozialverhalten unserer Hunde

Suki wurde mir als bedingt verträglich vermittelt. Zuhause angekommen konnte ich das nach einigen Wochen bestätigen, es gab viele Hunde, die sie sehr gerne mochte, andere waren ihr egal und manche konnte sie gar nicht leiden. Ich fragte mich schließlich woran es lag und fuhr in dieser Zeit viel nach Linz Urfahr in eine der größten Freilaufzonen des Landes. Dort stellte ich fest das Sukis Sozialverhalten zwar eingerostet war, aber sie lernte schnell, von mal zu mal wurde sie selbstsicherer und souveräner. In Linz hatte es seltsamerweise trotz hunderten von getroffenen Hunden noch nie geknallt. Fragezeichen standen in meinem Kopf, bis ich meine Ausbildung anfing. Ich lernte viel über die Hundesprache, wie Hunde untereinander kommunizieren und das man als Mensch mit eingreifen, dressieren und konditionieren unserer Hunde sehr oft genau das herbeiführt was man eigentlich vermeiden möchte. Auch heute noch liebe ich diese Freilaufflächen denn sie zeigen mir wie harmonisch und friedvoll alles laufen kann, wenn der Hund seine Natürlichkeit lebt. Klar gibt es Hunde, die sich wirklich nicht leiden können, so wie wir Menschen haben auch sie Artgenossen, die sie einfach nicht riechen können. In Linz habe ich die Erfahrung gemacht das sich diese Hunde in fast allen Fällen aus dem Weg gehen, sie sind gut sozialisiert und akzeptieren die Grenzen ihrer Artgenossen. Wenn es doch mal knallt, und ich rede hier von schnappern, fletschern und Gebell, (denn ein sozialer Hund beißt nicht) handelt es sich um eine kurze Auseinandersetzung bei der maximal ein paar Fellbüschel fliegen, und auch das gehört zum sozialverhalten unserer Hunde. Wenn z.B. ein Artgenosse eine deutlich gesetzte Grenze nicht akzeptiert kann schon mal eine Konsequenz folgen. Alles Ausufernde geschieht in der Regel nur wenn wir Menschen Ressourcen (Spielsachen, Futter usw.) ins Spiel bringen. Unsere Hunde sind eigenständige und soziale Wesen durch unser Eingreifen in ihre Natur verstecken sie diese früher oder später und werden unsicher. Was natürliche Hunde monieren da sie die Echtheit (Natürlichkeit) ihrer Artgenossen einfordern. Diese wiederum werden dann dafür, obwohl sie eigentlich alles „richtig“ (der Natur des Hundes entsprechend) machen missverstanden und müssen sich von ihrem Menschen meist einiges anhören. Auch ich habe Sukis Verhalten früher oft missverstanden und ihr Standpauken gehalten. Heute bestürzt es mich immer wieder wie wenig wir wissen über die Sprache unserer Familienmitglieder und wie wenig in Hundeschulen auf ihr Wesen eingegangen wird, das z.B. ein Hund der keinen überschwänglichen Kontakt mit anderen Hunden haben möchte und dies völlig angemessen zeigt als aggressiv abgestempelt wird nur weil er sich seiner Natur entsprechend verhält. Falls Du Halter eines abgelehnten Hundes bist, einen Hund hast der sich aggressiv zeigt oder euch die Hundeschule nicht weiterbringt bin ich gerne für euch da. Wenn wir Menschen anfangen die Sprache unserer Hunde und ihr individuelles Wesen wahrzunehmen werden wir Klarheit über viele Situationen gewinnen, und feststellen das unsere Beziehung oft voller Missverständnisse ist, die wir ganz einfach aus dem Weg räumen können, in dem wir anfangen hinzusehen, hinzufühlen, und zu verstehen.