Die Einfachheit der Hunde

Wir Menschen haben die Unterschiedlichsten Probleme mit unseren Hunden und wie es eben in unserer verqueren Welt üblich ist denken wir für jedes dieser Probleme eine Lösung zu brauchen. Also machen wir uns auf die Suche nach Methoden und Techniken.
Einen Hund der aggressiv reagiert lenken wir mit Leckerli oder einer Flasche gefüllt mit Steinen ab, Leinenziehen bekämpfen wir mit Kommandos, Halsbänder oder Leinenrucks und wenn unser Hund etwas nicht tun möchte wie in die Kofferraumbox springen dann zwingen wir ihn einfach.
Sehr oft tun wir das nicht, weil wir bösartige Menschen sind, sondern einfach, weil wir keinen anderen Weg sehen. Mir ging es als ich Suki bekam genauso, ich tat viele Dinge, bei denen ich mich nicht wohl fühlte, einfach aus Mangel an Alternativen.
Als ich dann auf eine Alternative gestoßen bin und selbst einen Hundetrainer bei mir sitzen hatte sagte mir dieser „Deine Probleme werden sich Stück für Stück in Luft auflösen, wenn du dranbleibst und Suki die Führung gibst, die sie braucht.“ Ich glaubte ihm damals kein Wort, mein Verstand konnte sich einfach nicht vorstellen wie das funktionieren sollte. Heute kann ich sagen, er hatte recht. Und heute weiß ich auch warum es für tausend Probleme eine einzige Lösung gibt. Wenn unsere Hunde anfangen uns als ihr Leitwesen zu sehen nehmen sie die Dinge, die wir von ihnen möchten oder nicht möchten, freiwillig und aus eigenen Stücken an. Dabei ist es völlig egal um welches Thema es sich handelt. Sie vertrauen uns dann so wie sie ihrem Leithund in einem natürlichen Rudel auch vertrauen würden. Es geht darum mit unserem Hund in Kontakt zu sein, ihn wahrzunehmen, zu sehen was ihn interessiert, auf ihn einzugehen, mit ihm zu kommunizieren, er macht einen Zug ich mache einen Zug, wie beim Schach.
Als ich diesen Weg mit Suki beschritten habe merkte ich schon nach wenigen Wochen wie sehr er uns zusammenschweißte, wir wurden zu einem starken Team. Ich hätte mir damals nicht vorstellen können wie schön, leicht und einfach unsere Beziehung heute ist.
Mit Lenny stehe ich noch am Anfang dieses Weges und er erinnert mich daran, dass es nicht immer so einfach und leicht war, es ist für einen Menschen eben nicht immer einfach geduldig, friedvoll, klar und im Moment zu sein. Wenn ich dann aber Suki ansehe, wie sie mich anstrahlt, dann weiß ich das es jede Mühe, die es mir manchmal macht, wert sein wird.

Einfachheit ist die höchste Stufe der Vollendung. (Leonardo da Vinci)

 

Das Thema mit der Dominanz

Oft hört man es das dieser oder jener Hund dominant sei, und man dagegen etwas tun müsse, nämlich dominanter sein.
Dass was ich in meiner Ausbildung beobachten durfte, gelernt habe und jeden Tag aufs Neue lerne wiederspricht dieser These. Meiner Erfahrung nach, gibt es so etwas wie Dominanz bei Hunden nicht.
Doch wie definiert man Dominanz eigentlich? Das musste ich auch erst googeln 🙂
Unter Dominanz versteht man den Versuch ein anderes Individuum zu beherrschen und/oder zu kontrollieren.
Ich habe schon einiges an kuriosen Hundeverhalten beobachten dürfen aber noch nie hatte ich das Gefühl, dass ein Hund einen anderen Hund oder Menschen beherrschen oder kontrollieren möchte. Ich denke daher, Dominanz ist eine eher menschliche Eigenheit.

Was Hunde schon zeigen sind Zeichen von Überforderung und/oder mangelnder Akzeptanz ihrer Menschen oder Hundekollegen. Dies ist aber nichts Angeborenes, sondern resultiert daraus das sie nie gelernt haben Grenzen anzunehmen. Meist handelt ein solcher Hund über seine natürliche Kompetenz hinaus. Er übernimmt die Führung und trifft z.B. Entscheidungen in Situationen, die ihn überfordern. In diesen Situationen reagiert er dann völlig übertrieben, genau diese Überreaktion könnte man als Dominanz interpretieren.
Hier ein Beispiel von Lenny:
Er ist ein Hund, der nie gelernt hat, Grenzen anzunehmen. Deshalb hat er die Idee das alles ihm gehört. Er hat sich also selbst zum König seiner Welt ernannt und von seinem selbsterbauten Thron schaltet und waltet er nun. Daraus ergeben sich viele interessante Verhaltensweisen (verteidigt sein Futter, hat Probleme souveräne Rüden zu akzeptieren, stellt auf Durchzug wenn er etwas nicht tun möchte z.B. herkommen, er manipuliert unentwegt, stiehlt Schlapfen und Handschuhe, verweigert den Sozialkontakt wenn er gerade keine Lust hat, scharrt wie ein Wilder nach dem Markieren, usw.)
All diese Verhaltensweisen sind zwar auffällig und überaus trickreich, haben aber nichts damit zu tun das er mich beherrschen oder kontrollieren möchte. Vielmehr möchte er weiterhin der König bleiben und tun was, wann und wie er will.
Wenn ich diesem Hund nun mit Dominanz begegnen würde, würde ich entweder sein Wesen brechen, oder ich würde alles verschlimmern. Ein Hund der einen starken Willen hat, lässt sich nicht brechen, er würde immer eine Schippe über mein Level gehen bis er wirklich gefährlich werden würde. Daher ist es meine Aufgabe Lenny seine Krone friedvoll und geduldig zu entwenden, und ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen.
Das geht nicht von heute auf morgen, doch nur so kann ich mit ihm eine echte Verbindung eingehen, und so versteht auch er sehr schnell das ich ihm damit eigentlich etwas Gutes tue. Schließlich beinhaltet sein Thron viel Verantwortung, die ihn stresst und überfordert.
Da wir in einer von Menschen gestalteten Welt leben ist es wichtig das er mir vertraut und sich von mir führen lässt. Dazu darf er akzeptieren, dass ich, sein Mensch, sein Leithund bin. Leithund wird man in einem natürlichen Hunderudel allerdings nicht durch dominantes Verhalten oder Unterdrückung anderer, sondern dadurch das man friedvoll und souverän Grenzen setzt und Entscheidungen für die Gruppe trifft die sich für alle gut anfühlen.

Der, der wahre innere Stärke besitzt braucht keine Dominanz.

Intuition statt Prinzipien

Wer nimmt es noch wahr? Das Bauchgefühl, das einem sagt, was richtig und was falsch ist. Das Gefühl, dass wenn man es beachtet, einem immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein lässt. Das Kribbeln, welches einem mitteilen möchte, dass etwas Großes bevorsteht. Unsere Intuition, die uns Dinge spüren lässt, die wir nicht sehen können. Ich sage ganz ehrlich, ich habe es bevor ich Suki bekam nicht mehr wahrgenommen. Die gute Nachricht ist, es ist immer da, wir müssen nur unsere Aufmerksamkeit darauf richten und lernen wieder darauf zu hören. Als ich mich dazu entschloss die Ausbildung bei Maja Nowak zu machen und mich als Hundetrainer selbstständig zu machen war das eine reine Bauchentscheidung. Der Verstand war damit gar nicht glücklich, immerhin hatte ich eine technische Ausbildung und einen gut bezahlten Wirtschaftsjob. Mein Bauch sagte mir aber, dass ich es wagen sollte und ab diesem Zeitpunkt lief alles wie am Schnürchen. Ich habe in der Zeit mit Suki und in meiner Ausbildung wieder gelernt sehr intensiv auf mein Bauchgefühl zu hören, gerade auch wenn es um unsere Hunde geht. Es gibt schon so viele Experten, Trainer, Center, Tierärzte, Tierkommunikatoren usw… dass wir oft schon ganz verunsichert sind und nicht mehr wissen wie wir nun mit unserem Hund leben sollen und wie es „RICHTIG“ ist. Ich kann nur jedem raten auf sein Gefühl zu hören.
Egal was ich, ein anderer Trainer oder irgendein anderer Mensch sagt, DEINE Intuition und DEIN Gefühl, sollten die Schlussentscheider sein.